Dinosaurier

 

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WISSEN / Erscheinungsbild und Aussehen der Dinosaurier

 

Die fossilen Überreste der Dinosaurier liefern Informationen über die Knochen und die Größe des Tieres. Über die Farbe der Haut, den Geruchssinn oder dass Sehvermögen liegen keine Beweise vor, deshalb wird es immer viele unbeantwortete Fragen über diese faszinierenden Lebewesen geben. Ein besonders spektakulärer Fund ist der mumifiziert erhalten gebliebene Brachylophosaurus "Leonardo", der im Jahr 2000 in den USA entdeckt wurde. Bei einigen Skeletten wurden versteinerte Hautabdrücke gefunden. Sie zeigen, dass viele Dinosaurier eine Schuppenhaut wie Reptilien besaßen. Die Farbe der Haut und eine Musterung ist auf den Funden nicht mehr zu erkennen.

 

Mumie des Brachylophosaurus "Leonardo" / © etee (Flickr.com). Creative Commons 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)
1) Mumie des Brachylophosaurus "Leonardo"
© etee
Schädel des Brachylophosaurus "Leonardo" / © etee (Flickr.com). Creative Commons 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)
2) Schädel des Brachylophosaurus "Leonardo"
© etee

 

Da viele Dinosaurier sehr eng mit Vögeln verwandt sind, waren einige auch gefiedert. Bei den Theropoden wie Velociraptor gilt dies als sicher. Einige gut erhaltene Fossilien enthalten aber auch Abdrücke aus flaunigen Daunen und Federn, zum Beispiel bei denen des Sinornithosaurus, bei dem daunenartige Strukturen sichtbar sind, die am Rücken verlaufen. Protarchaeopteryx besaß am Schwanzende einen kleinen Fächer aus Federn.

Im Jahr 2016 beschrieben der chinesische Paläontologe Lida Xing und seine Kollegen einen außergewöhnlichen Fund. Einen 3,5 Zentimeter langen gefiederten Teil vom Schwanz eines kleinen Dinosauriers, eingeschlossen in einem etwa 99 Millionen Jahre alten Bernstein . Das Tier war vermutlich noch sehr jung, als es sich im Baumharz verfing. Der Bernstein enthält acht kleine Schwanzwirbel, an dem noch die Überreste von Muskeln, Sehnen und Haut sichtbar sind.

 

Hautabdruck eines Hadrosauriers / © Kabacchi (Flickr.com). Creative Commons 2.0 Generic (CC BY 2.0)
3) Hautabdruck
eines Hadrosauriers
© Kabacchi
Federstrukturen des Sinornithosaurus. Creative Commons 1.0 Generic (CC SA 1.0)
4) Federstrukturen des Sinornithosaurus
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Evolution der Federn / © Matt Martyniuk, 
bearbeitet durch Dinodata.de. Creative Commons 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)
5) Darstellung der
Feder-Evolution
© Matt Martyniuk

 

Dies waren jedoch noch keine Federn, wie wir sie von den heutigen Vögeln kennen, sondern sogenannte Protofedern, die etwa mit Daunen vergleichbar sind. Die Federn entwickelten sich aus Hautschuppen oder kleinen Hautdornen. Natürlich blieb die Farbe der Federn und der Haut in den Fossilien nicht erhalten, doch Wissenschaftlern gelang es im Jahr 2013, die Federfarbe des Archaeopteryx unter Zuhilfenahme von Röntgenbildern zu rekonstruieren, ansonsten können die Wissenschaftler auf die Farben heute lebender Tieren wie Vögel, Krokodile und Echsen zurückgreifen.

Farben und Hautmuster helfen den heutigen Tieren, sich zu tarnen, aber auch um sich untereinander zu erkennen. Auch dienen sie dem Sexualdimorphismus. Die Dinosaurier waren ganz sicher auch an ihre Umgebung angepasst, sei es zur Tarnung, zur Abschreckung oder auch zur Balz. Iguanodon verbrachte vermutlich sehr viel Zeit damit, in Farnen und Büschen im Unterholz der Wälder zu ruhen und zu äsen. Eine entsprechende Tarnzeichnung seiner Hautoberfläche wäre daher für ihn ideal gewesen. Bei Gefahr hätte Iguanodon vermutlich nur unbeweglich stehen bleiben müssen, um so mit der Umgebung zu verschmelzen und nicht gesehen zu werden.

 

Iguanodon / © Todd Marshall. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Eine Gruppe Iguanodon
© Todd Marshall
Oviraptor / © Jan-Ake Winqvist. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Oviraptor
© Jan Ake Winqvist
Iguanodon / © Sergio Perez. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Corythosaurus
© Sergio Perez
Iguanodon / © Mineo Shiraishi. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Triceratops
© Mineo Shiraishi

 

Viele männliche Tiere, vor allem die der Vögel und Reptilien, setzen in der Balz auf leuchtende Farben, das tat vielleicht auch Oviraptor. Bei den rezenten Tieren sind es die Echsen, bei denen einige Arten einen Kehlsack besitzen, der farbig aufgebläht werden kann, um damit zu imponieren und zu beeindrucken. Das Männchen zeigt so an, dass es auf der Suche nach einem Weibchen ist, sie helfen auch dem Weibchen, die richtige Wahl unter den Bewerbern zu treffen, denn die prächtigste Farbprägung hat meist das kräftigste und gesündeste Männchen. Einige Hadrosaurier wie Lambeosaurus und Corythosaurus besaßen einen Kopfkamm, der eventuell auch eine Färbung besaß. Von den Ceratopsiern besaß Triceratops einen mächtigen Nackenschild, der kaum der Verteidigung gedient haben kann. Vermutlich hatte der Nackenschild ein farbiges Muster, mit dem die männlichen Tiere den Weibchen besonders bei den Paarungsspielen ein imposantes Bild von Macht und Stärke boten.

 

Unterschiedliche Konfigurationen des Schädels von Erlikosaurus andrewsi. (A) restaurierter Schädel, (B) Schädel mit kleinen Hornzwischenkiefer, (C) Schädel mit großen Hornzwischenkiefer, (D) Schädel mit Zähnen am Zwischenkiefer und Oberkiefer, (E) wiederhergestellter Unterkiefer, (F) Unterkiefer mit Hornzwischenkiefer. © Lautenschlager et al.
a) Zwischenkiefer-
rekonstruktionen
des Erlikosaurus
© Lautenschlager et al.
Unterschiedliche Konfigurationen des Schädels von Erlikosaurus andrewsi. © Lautenschlager et al.
b) Zwischenkiefer-
rekonstruktionen
des Erlikosaurus
© Lautenschlager et al.

 

Stephan Lautenschlager von der Universität Bristol und seine Kollegen veröffentlichten Ende des Jahres 2013 eine Studie über die Zahnlosigkeit und die Ausbildung von Hornschnäbeln in einer Gruppe der Theropoda (doi: 10.1073/pnas.1310711110). Diese Studie widmete sich dem 1980 in der Mongolei entdeckten Erlikosaurus aus der Familie der Therizinosauroidea. Diese Dinosaurier besaßen einen langen Hals, einen kurzen Schwanz, einen voluminösen Körper und als besonderes Merkmal kräftige Arme mit extrem langen Krallen. Ihre Kiefer besaßen im vorderen Bereich keine, im hinteren Teil lange, spitze Zähne. Lautenschlager und sein Team fanden heraus, dass diese Tiere einen Hornschnabel wie die heutigen Vögel besaßen. Die Forscher wiesen nach, dass manche Theropoda vermutlich aus Kraft- und Stabilitätsgründen Hornschnäbel ausprägten. Ein auf Keratin basierender Schnabel ist sehr stabil. Es hat gegenüber Knochenschnäbeln den Vorteil, dass er bei Verschleiß nachwächst.

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Weitere Informationen

A Feathered Dinosaur Tail with Primitive Plumage Trapped in Mid-Cretaceous Amber
Autoren: Lida Xing, Ryan C. McKellar, Xing Xu, Gang Li, Ming Bai, W. Scott Persons IV, Tetsuto Miyashita, Michael J. Benton, Jianping Zhang, Alexander P. Wolfe, Qiru Yi, Kuowei Tseng, Hao Ran und Philip J. Currie
Current Biology 2016. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cub.2016.10.008 / PDFPDF hier

A Mummified Duck-Billed Dinosaur with a Soft-Tissue Cock’s Comb
Autoren: Phil R. Bell, Federico Fanti, Philip J Currie und Victoria Arbour
Current biology: 12/2013; 24(1). DOI: 10.1016/j.cub.2013.11.008 /PDFPDF hier

Edentulism, beaks, and biomechanical innovations in the evolution of theropod dinosaurs
Autoren: Stephan Lautenschlager, Lawrence M. Witmer, Perle Altangerel und Emily J. Rayfield
Proceedings of the National Academy of Sciences vol. 110 no. 51 /PDFPDF hier

Mummified precocial bird wings in mid-Cretaceous Burmese amber
Autoren: Lida Xing, Ryan C. McKellar, Min Wang, Ming Bai, Jingmai K. O’Connor, Michael J. Benton, Jianping Zhang, Yan Wang, Kuowei Tseng, Martin G. Lockley, Gang Li, Weiwei Zhang und Xing Xu
Nature Communications 7:12089, DOI: 10.1038/ncomms12089 /PDFPDF hier
Ergänzende InformationenPDF

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Bildlizenzen

1) Mumie des Brachylophosaurus "Leonardo" / © etee:
Creative Commons 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)

2) Schädel des Brachylophosaurus "Leonardo" / © etee:
Creative Commons 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)

3) Hautabdruck eine Hadrosauriers / © Kabacchi:
Creative Commons 2.0 Generic (CC BY 2.0)

4) Federstrukturen des Sinornithosaurus:
Creative Commons 1.0 Generic (CC SA 1.0)

5) Feder-Evolution / © Matt Martyniuk:
Creative Commons 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0)

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Grafiken und Illustrationen von Todd Marshall

Grafiken und Illustrationen von Jan Ake Winqvist

Grafiken und Illustrationen von Sergio Perez

Grafiken und Illustrationen von Mineo Shiraishi

Grafiken und Illustrationen von Matt Martyniuk

 

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